Geschichte von Sülbeck

  ...... und vergangene Technik       (Dr. Gernot Schmidt)
Zeit Ereignis
Ca. 5000 v. Chr.: Jungsteinzeitliche Bandkeramiker siedeln im Umfeld der Sülbecker Solequellen
Karolingische Zeit,
ca. 800 – 875:
Das Gaugericht „Sulbichi“ wird im Gebiet Sülbeck – Strodthagen abgehalten.
1210: Erste urkundliche Erwähnung der „salinis“ bei Siburgehusen (in der Nähe Sülbecks) in den Büchern des Klosters Amelunxborn.
1608 und 1631: Versuch einer Salinengründung durch den Kasseler Kaufmann Gerwin Sandtmann.
1660: Stiftung des Abendmahlkelches der Stöckheimer Kirche. Die Verbindung mit einer Sülbecker Solequelle ist wegen der Gravur wahrscheinlich, aber nicht nachgewiesen.
1682: Der Oberforst- und Jägermeister Otto-Friedrich von Moltke, Drost zu Salzderhelden und Katlenburg, macht die herzogliche Regierung in Hannover auf die Sülbecker Solequelle aufmerksam und wird beaftragt, das Vorkommen prüfen zu lassen.
Oktober 1685: Erst jetzt ernsthafte Prüfung der Sülbecker Solequelle. Die „Söhle“ ist 3-lötig, d.h. sie hat ca. 9.4% NaCl.
26. April 1686: Der Herzog und nachmalige Kurfürst Ernst August von Hannover-Calenberg befiehlt, das „Saltz- und Leckwerck“ zu errichten. Der Herr von Moltke hat die Leitung.
1687 - 1689: Der 6,25 km lange Kunstgraben (später „Salzgraben" genannt) wird von der Leine bei Hollenstedt über die Saline bis zur Leine unterhalb von Sülbeck angelegt.
15. Juli 1692: Hinrichtung des Herrn von Moltke in Hannover wegen Beteiligung an einer Verschwörung gegen den Herzog Ernst August.
1690 – 1719: Das herzogliche Salzwerk ist verpachtet und produziert etwa 300 – 325 t Salz/Jahr in 4 Pfannen. Zum Vergleich: Saline Allendorf 1720: 2500 t Salz/Jahr.
1719-1814: Die königlich großbritannische kurfürstlich braunschweig-lüneburgische Saline (1807 bis 1813 im französischen Königreich Westfalen).
1734  – 1756: Modernisierung der Gradierwerke (Dornen anstatt Strohmatten), das untere Gradierhaus 
345,6 m, das auf der Worth 252,6 m lang und mit Dach bis 14,5 m hoch. Neue Pfannen. Jahresproduktion 562 t. Der Streit mit Salzderhelden 1742/43 wegen des „Abgrabens“ der Sole.
1757: Die Saline Salzderhelden wird vom hannoverschen Staat gepachtet und von Sülbeck aus dirigiert, bis 1850.
1756 – 1763: Siebenjähriger Krieg, das Leinetal zeitweilig von den Franzosen besetzt. 1761/62 nur 
220 t Salz gesotten.
18. Sept. 1780: Der Brand Sülbecks. Die Saline wird nicht beschädigt.
Ende des 18. Jahrh.: Die Blüteperiode, 800 t/Jahr, technische Verbesserungen, 3 Pfannen, 1793 dabei angeblich die größte Siedepfanne der damaligen Zeit (10 x 5,7 x 0,4 m)! Sole-Reservoir 1782 (bis 1927 in Betrieb). Der Sülbecker Obersalzfaktor als Gutachter für die marode Saline Lüneburg 1789 – 1791.
Belegschaft einschließlich der 2 Beamten: 13 Mann.
1807 – 1813: Die Saline im Königreich Westfalen (Jerôme Bonaparte). Wegen der Kontineltalsperre zunächst großer Absatz, dann Krise nach Einführung der Salzsteuer.
1814 – 1866: Die königlich hannoversche Saline. 3 Pfannen.
Dez. 1846 – März 1850: Abteufen der ersten Tiefbohrung mit dem gerade erfundenen Kindschen Freifall-Bohrapperat. Endteufe 1350 hann. Fuß 4 Zoll (394,42 m) im Steinsalz nach 1185 Tagen. Nur mit menschlicher Muskelkraft.
Juli – Sept. 1850: Cholera-Epidemie im Leinetal, hunderte von Toten.
8. Juni 1853: Beginn der regelmäßigen Förderung gesättigter Sole aus der ersten Tiefbohrung mit rd. 
26% NaCl. 1864/1865: 1028 t Salz.
1866 – 1870: Die königlich preußische Saline. 3 Pfannen. 940 t/Jahr.
Seit 1870: Die Saline in Privatbesitz der Familien Lockemann und Pflughöft. Käufer: Der Müller Hermann Lockemann aus Hollenstedt, sein Partner der Landwirt Louis Pflughöft aus Dörrigsen. Aufschwung! 1878: 3082 t/Jahr.
1879 – 1882: Abteufen der zweiten Tiefbohrung auf 377 m, Endteufe im Salz.
20. Januar 1883: Beginn der regelmäßigen Förderung gesättigter Sole aus der zweiten Tiefbohrung. 1888: ca. 5500 t/Jahr.
1886 – 1909: Betrieb der Dampfschiffahrt auf dem „Salzgraben“ und der Leine zum Transport des Salzes zum Bahnhof Salzderhelden und der Kohlen zurück zur Saline.
Ab 1890: 5500 t/Jahr mit 6 Pfannen.
Der junge Geschäftsführer Carl Pflughöft (ein treuer Welfe) schreibt an einen Freund in den U.S.A.: „... hier in Deutschland kann man sich quälen, wer weiß wie und kommt nicht hoch dabei. Bei Euch drüben ist es in dieser Weise ganz anders. ... Die Steuern sind hier jetzt furchtbar hoch. Preußen ist in dieser Weise ein Raubstaat.“
1894: Telefonleitung zwischen Saline Sülbeck und Mühle Hollenstedt, über 6 Jahre vor der Deutschen Reichspost im Leinetal. Erst im Dezember 1900 Telefon in Einbeck.
1899: Abbruch der Wasserkunst und Bau von 2 Turbinen am „Salzgraben“. Einführung der Elektrizität in Sülbeck und den Nachbardörfern. In Northeim erst ab 1912 Strom, von der Mühle in Hollenstedt.
1900: 7 Pfannen, 5865 t.
5. Juni 1909: Inbetriebnahme der 2,3 km langen elektrischen Drahtseilbahn zur Bahnlinie bei Salzderhelden.
Ab 1914: Die Konkurrenz des Steinsalzes wird akut.
1. Weltkrieg 1914-1918.
Kohlenmangel 1919-1920: Nur ca. 1600 t Salz/Jahr.
1926/1928: ca. 6500/5164 t im Jahr.
Konkurrenz u.a. der Saline Schöningen mit über 26.000 t Salz im Jahr.
1929/1930: Bau der modernen Verbundanlage Elektrizitätswerk/2 Dampfpfannen. Kapazität nun
10.000 t/Jahr. Zunächst jedoch Wirtschaftskrise, 1931/1932 ca. 3850 t.
1933: 9587 t, als vom Syndikat frei. Danach bis zum Kriegsjahr 1941 ca. 6910 t/Jahr.
1936: 250-Jahrfeier, Belegschaft 47 Mann.
1939 - 1945: 2. Weltkrieg. 1945: Die Folgen wie im 1. Weltkrieg. Kohlenmangel, 1945: 1766 t, 
1946: 5067 t, 1947: Kohlenkrise, 2829 t.
1950: Konkurs der Saline und Liquidation.
1953 – 1959: Letzte Herstellung (mit Unterbrechungen) im ältesten Teil der Saline, Pfannen 1 und 2. Danach Verfall und Abriss.
Mitte 1955: Beginn des Abrisses der Dampfpfannen (Nr. 3 und 4)
Seit 1955: Die Firme „Natursole Sülbeck“ verkauft Sole aus einem Bohrloch an Heilbäder und zu technischen Zwecken (Familie Lockemann und Erben).
1984: Die beiden Bohrturme von 1865 bzw. 1882 und das Sole-Reservoir von 1882 vom Land Niedersachsen zu „Technischen Denkmalen von nationaler Bedeutung“ erklärt.
24. Sept. 1994: Verpachtung des „Oberen Bohrturms“ von 1865 an den Heimatverein Leinetal auf 50 Jahre zu Museumszwecken.
Ende 1995: Das Buch erscheint, Gernot Schmidt:
„Das löbliche Saltzwerck zu Sülbeck", Geschichte und Entwicklung einer niedersächsischen Saline. Im Verlag des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, ISBN 3-921533-55-4, 214 S., mit 34 Abb.,24 Taf., 88 Fotos.
2001: Erstmalige Erwähnung im Internet unter www.leineport24.de
Nach Oben        Zurück