Technische Höhepunkte des südlichen Niedersachsens


 Die Saline Sülbeck im früheren Landkreis Einbeck
Vortrag beim Heimatverein Leinetal e.V.        von Dr. Gernot Schmidt

Kanalbau:
Der 6,25 km lange Kunstkanal, später „Salzgraben“ genannt, hat von der Abzweigung aus der Leine in Hollenstedt bis zur Einmündung in die Leine unterhalb von Sülbeck nur 4 m Gefälle (von 110 m auf 106 m).Eine große Nivellier-Leistung. Der Graben wurde 1687 bis 1689 von 100 herzoglichen Soldaten ausgehoben. Das Gerenne der unterschlächtigen Wasserräder hatte 1 m Gefälle (die Turbinen ab 1899 mehr).
Werkswohnungen:
Anfang des 18. Jahrhunderts die Baraquen am „Bracken“.
Siedepfanne:
Ende des 18. Jahrhunderts in Sülbeck angeblich die größte genietete Pfanne aus Eisenblechen im Hannoverschen, 10 x 5,7 x 0.4 m.
Tiefbohrung:
Die 1. bedeutende Tiefbohrung im Königreich Hannover,
1846 bis 1850 mit dem gerade erfundenen Kindschen Freifall-Bohrapparat bis auf 394 m abgeteuft. Allerdings wurde mit derselben Technik bei der braunschweigischen Saline Schöningen schon 1845 bis 1847 eine Bohrung bis auf 519 m gebohrt.
Telefon:
Schon 1894 von der Mühle Hollenstedt zur Saline, 6 Jahre bevor die Reichspost im Leinetal die erste Telefonleitung verlegte.
Elektrischer Strom:
Seit Dezember 1899 von den Turbinen am Salzgraben. Sülbeck, Drüber, Vogelbeck, und Stöckheim wurden zuerst versorgt. Als 1909 das Wasserkraftwerk an der Hollenstedter Mühle erbaut war, übernahm dieses die Dörfer außerhalb Sülbecks und ab 1912 die Stadt Northeim, erst danach folgten die Stadtwerke Einbeck und Göttingen.
Wärme-/Kraftkopplung:
Die Verbundanlage E-Werk + Dampf-Pfannen, erbaut 1929, bis 1950 in Betrieb: Kapazität 10000 t/Jahr. Konnte aber nicht ausgenutzt werden, wegen des Syndikats.
Technische Denkmale von nationaler Bedeutung:
Die beiden Bohrtürme mit den Innenanlagen (1865 bzw. 1882) und das hölzerne Sole-Reservoir von 1882/1883. Erklärung des niedersächsischen Landtages von 1984.
Zusatz-Information:
Vor dem 1. Weltkrieg gab es in Norddeutschland etwa 40 Salinen, 26 davon in Niedersachsen. Durch die Konkurrenz des Steinsalzes ging die Zahl in Niedersachsen 1920 auf 14, dann 1930 auf 9 und bis heute auf  2 zurück; von diesen 2 ist eine die alte Pfannen-Saline Luisenhall in Göttingen-Grone, die andere die große Vakuum-Saline in Stade.
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